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Die landwirtschaftliche Basisausbildung feiert 150 Jahre
Hofrat Herbert Reiter gibt einen historischer Rückblick über die Agrarbildung in NÖ

Die Personen v. l.: Hofrat Herbert Reiter und Rektor Thomas Haase.
Foto Copyright: Jürgen Mück.

Wien (17.1.2019) Einen historischen Rückblick der Entwicklung der landwirtschaftlichen Bildung gab vorgestern Landesschulinspektor a.D. Hofrat Herbert Reiter im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt:Hochschule“ an der Agrar- und umweltpädagogischen Hochschule in Wien. Die umfangreichen Recherchen mit zahlreichen Originaldokumenten wurden in einem 200 Seiten starken Manuskript zusammengefasst, das als Buch veröffentlicht werden soll.

„Ich wollte dem Vergessen entgegenwirken, daher habe ich mich die letzten Jahre intensiv mit der landwirtschaftlichen Basisausbildung, also den heutigen Berufsschulen, beschäftigt. Dabei galt es unzählige Dokumente in Archiven zu sichten, um die tatsächlichen Fakten zu recherchieren“, betont Hofrat Reiter. „Als Gründervater der Agrarbildung kann man Franz X. von Grutsch bezeichnen, der bereits 1865 die erste landwirtschaftliche Fortbildungsschule in Mödling gründete, obwohl der Beschluss des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Mödling der k.k. Landwirtschaftsgesellschaft Wien es erst für ein Jahr später vorsah. Aber das Interesse an der landwirtschaftlichen Bildung war wegen der zahlreichen Schädlinge im Acker- und Weinbau enorm. Rund 150 Schüler stürmten bereits im ersten Jahr die Schule. Bis 1868 wurden sieben weitere Fortbildungsschulen gegründet“, so Reiter.

Neben den bedrohlichen Schädlingen, wie die Kartoffelfäule und der Reblaus, liegen die Gründe für die Etablierung der Landwirtschaftsschulen in der Umstellung der Bodenbewirtschaftungsform von der Dreifelderwirtschaft auf die Fruchtwechselwirtschaft und in der Bauernbefreiung von 1848. Schließlich galt es den gestiegenen Lebensmittelverbrauch aus eigener Erzeugung zu sichern.

Geht man in der Geschichte noch weiter zurück, dann war es bereits Kaiserin Maria Theresia, die 1774 in der allgemeinen Schulordnung festlegte, dass es an den Schulen auch Lehrgänge für die Landwirtschaft geben soll. Unterrichtet haben an den landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen die Pflichtschullehrer, was bis zur Gründung der Landwirtschaftskammern nach dem Ersten Weltkrieg üblich war.

Die Zwischenkriegszeit und der Zweite Weltkrieg brachten besondere Herausforderungen mit sich. Die allgemeine Berufsschulpflicht von 1938 bis 1945 hatte auch für die Jugendlichen in der Landwirtschaft Gültigkeit, was jedoch wegen des Krieges nur zum Teil umgesetzt wurde.

Nach 1945 ergriff die Landwirtschaftskammer NÖ in enger Zusammenarbeit mit den Pflichtschullehrern wieder die Initiative bei der Gründung der Fortbildungsschulen. Ab dem 1. NÖ. Landwirtschaftlichen Schulgesetz 1954 war nun das Land Niederösterreich offiziell für die Errichtung der landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen verantwortlich.

In der Hochblüte des Fortbildungsschulwesens gab es in Niederösterreich in den 1950er Jahren über 13.750 Schülerinnen und Schüler in 317 Schulen. Heute bilden zwei landwirtschaftliche Berufsschulen rund 250 Schülerinnen und Schüler in NÖ aus.

„Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik bildet seit Ende des 19. Jahrhunderts die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Beraterinnen und Berater für den ländlichen Raum in ganz Österreich aus. Zunächst als Bundesseminar und später als Agrarpädagogische Akademie“, betont Rektor Thomas Haase.

(Schluss)



Interessante Geschichtsstunde der Agrarbildung.